Der aktuelle Vorstand

 

 

Aus der Geschichte der Jahre 1924-1944

Zu Beginn der zwanziger Jahre bemühten sich junge Männer unseres Dorfes, einen katholischen Gesellenverein zu gründen. Mehrere von ihnen waren auf ihren Wanderungen mit dem Deutschen Katholischen Gesellenverein und dem Gedankengut Adolph Kolpings in Berührung gekommen. Einige wenige waren auch schon außerhalb Kallenhardts Mitglied eines Gesellenvereins geworden. Sie alle setzten sich aktiv für die Gründung des kath. Gesellenvereins ein. Allen voran der aus Gelsenkirchen stammende und 1923 nach Kallenhardt gezogene Malermeister Wigbert Frebel, sowie Heinrich Mekus, Kallenhardt- Heide und H. H. Pfr. Donner. Wigbert Frebel war bereits Mitglied des kath. Gesellenvereins in Gelsenkirchen und Heinrich Mekus hatte den kath. Gesellenverein auf seinen Wanderungen kennen gelernt. Der H. H. Josef Donner war von 1913 bis 1924 Pfarrer in Kallenhardt. Nach vielen Vorbereitungen war es dann soweit: Am 1. April 1924 wurde der „Katholische Gesellenverein Kallenhardt“ gegründet. Die Feierlichkeiten zum Stiftungsfest begannen mit der hl. Messe. Danach fand eine Versammlung mit Kaffeetrinken im Saal Hellermann statt. Die weltliche Feier startete abends unter großer Beteiligung der Mitglieder, ihrer Familien und der ganzen Gemeinde. In dieser Versammlung wurde unter anderem der erste Vorstand gewählt. Ihm gehörten an: Pfarrer Donner (Präses), Wigbert Frebel (Vizepräses), Heinrich Mekus (Senior) sowie als Schriftführer bzw. Beisitzer: Heinrich Halberschmidt, Josef Christmann, Friedrich Wiese und Hubert Finger. Außerdem wurden eine große Anzahl Männer in den Gesellenverein aufgenommen. Der neue Verein und seine Mitglieder wurden zur Zentrale des Deutschen Kath. Gesellenvereins nach Köln gemeldet und von dort anerkannt. Der Gesellenverein wird ab dieser Zeit in allen Wanderbüchern aufgeführt. Alle Mitglieder mit einer vierstelligen Stammbuch-Nummer sind auf der Gründungsversammlung aufgenommen worden. Nach kurzer Zeit wurde Pfarrer Donner versetzt. Neuer Pfarrer in Kallenhardt wurde im Sommer 1924 H. H. Josef Koch. Er übernahm auch das Präsidesamt und hat es 24 Jahre bis 1948 ausgeübt. Die Senioren (heute Vorsitzende) wechselten öfter. Es folgten Josef Christmann, Josef Schmidt, Heinrich Becker, Fritz Cramer, Franz Arens und Ferdinand Finger.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die übrigen Mitglieder des Vorstandes ebenfalls im gleichen Umfang wechselten, denn schriftliche Unterlagen aus dieser Zeit sind nur sehr spärlich vorhanden. In Kallenhardt sind fast alle schriftlichen Berichte in den Kriegswirren verloren gegangen. 1927 gab der Gesellenverein die heute noch vorhandene Fahne in Auftrag. Auf der einen Seite ist der Gesellenvater Kolping abgebildet, der einen Handwerksgesellen begrüßt (oder verabschiedet). Die Umschrift lautet „Kath. Gesellenverein 19 Callenhardt 24“. Auf der anderen Seite steht: „Gott segne das ehrbare Handwerk“. Die Umschriften an den vier Seiten lauten: „Religion und Tugend“; „Arbeitsamkeit und Fleiß“; „Eintracht und Liebe“ und „Frohsinn und Scherz“. Im Jahresbericht 1927  der St. Clemens Pfarrgemeinde Kallenhardt steht: „Am 8. Mai war für die Jugend ein Festtag. Es konnte an diesem Tag die Gesellenvereinsfahne eingeweiht werden. Alle Vereine, auch die weltlichen, nahmen teil. Gegen 10 auswärtige Gesellenvereine waren zur Feier erschienen.“ Das Grundanliegen des Gesellenvaters, junge Menschen zur Verantwortungsbereitschaft und Tüchtigkeit im Bereich der Familie, des Berufes, der Kirche und des Staates zu führen, war auch Verpflichtung des kath. Gesellenvereins Kallenhardt. Aber auch auf kulturellem Gebiet betätigte sich der Verein, denn es wird von regelmäßigen Theaterspiel berichtet. Außerdem wurde ein Mandolinenclub ins Leben gerufen. In den zwanziger und dreißiger Jahren sind viele Kallenhardter Handwerksgesellen (vielleicht durch Arbeitsmangel bedingt) auf Wanderschaft gegangen. Falls sie Mitglied im Gesellenverein waren, hatten sie in den Gesellenhäusern (auch Hospize genannt), den heutigen Kolpinghäusern, ein Anrecht auf preiswerte Unterkunft und fanden dort ein Zuhause. Einige Wanderbücher sind noch erhalten. 1932 wurde das erste Kolpingbanner angeschafft. In den nachfolgenden Jahren wurde der Druck des nationalsozialistischen Regimes auf die christlichen Vereine immer stärker. Um überhaupt überleben zu können, beschloss die Zentralversammlung im September 1933 den „Deutschen kath. Gesellenverein“ in „Deutsche Kolpingfamilie“ umzubenennen. Mit dieser Umbenennung wurde aber auch ein wichtiger gesellschaftspolitischer Schritt nach vorn getan. Mit dem Namen wurden nach und nach auch die inneren Strukturen des Vereins verändert. Die Bedeutung des Vereins für die ganze Familie kam mehr zur Geltung; ihre Auswirkungen zeigten sich erst in vollem Umfang nach dem Krieg, wie z. B. die Bildung von Jungkolpinggruppen; die Aufnahme von Mädchen und Frauen oder die Bildung weiterer Fachbereiche. Viele örtliche Gesellenvereine waren nur schwer von der Namensumbenennung zu überzeugen. Es dauerte Jahre, bis sie alle den neuen Namen angenommen hatten. In Kallenhardt war es noch viele Jahre nach dem Krieg im Volksmund „Der Gesellenverein“. Die Zeit der Machtübernahme hatte auch für den Gesellenverein Kallenhardt schwerwiegende Folgen. Dem offenen Vereinsleben wurde zwischen1934 und 1935 im Zuge der Gleichschaltung ein Ende bereitet. Die Gestapo (Geheime Staatspolizei) war überall tätig. Wie aus dem noch vorhandenen Einlieferungsbuch für Postanweisungen hervorgeht, konnte die Kolpingfamilie Kallenhardt bis zum 28. Mai 1935 noch ihren Verpflichtungen nachkommen und die Beitragszahlungen zur Kölner Zentrale öffentlich überweisen. Alle Tätigkeiten des Vereins mussten danach im Geheimen erfolgen. Die Vereinsarbeit kam zum Erliegen bzw. wurde auf die rein religiöse Seite beschränkt. Vereinsunterlagen wurden beiseite geschafft. Das Kolpingsbanner und die Gesellenfahne wurde in der Kirche hinter dem Altar versteckt. Das Sparbuch übernahm der Präses Pfarrer Koch. Nur so konnte man dem Zugriff der Gestapo entgehen. Von diesem Sparbuch hat der Präses in den nachfolgenden Jahren Beiträge für 21 Mitglieder zum Generalsekretariat nach Köln überwiesen. Mit Ausbruch des Krieges wurde alle Vereinsarbeit verboten, sie war, da fast alle jungen Männer Soldat waren, auch nicht mehr möglich.